Mitteilung an die Medien

Muna-Rundgang erinnert an Rüstungsproduktion und Zwangsarbeit –
US-Panzer befreien am 12. April die Muna und Lehre am Tag zuvor – Noch immer Rüstungsaltlasten

Lehre. Aus Anlass der Befreiung vor 71 Jahren findet am Sonnabend, 9. April, ab 14.30 Uhr eine Führung auf dem Gelände der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt (Muna) Lehre statt. Treffpunkt ist am 9. April die Einfahrt zur Muna. Diese befindet sich im Kampstüh an der Kreisstraße nach Boimstorf, rund 500 Meter hinter Lehre. Der Rundgang wird etwa 90 Minuten dauern.

Truppen der 5. US-Panzerdivision befreiten am 11. April vor 71 Jahren Lehre von der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten. Sie rückten erst am nächsten Tag in die Muna ein, die im Zweiten Weltkrieg in die NS-Rüstungsproduktion eingebunden war. Auch in Lehre wurden sowjetische Kriegsgefangene zu Tode geschunden.

Mit einem Rundgang auf dem ehemaligen Muna-Gelände soll an die Geschehnisse zwischen 1933 und 1945 erinnert werden. Uwe Otte wird berichten, wie es gelang, zumindest von 19 Todesopfern die Personalkarten zu bekommen. Außerdem will Otte, der ehemalige Ratsherr befasst sich seit 30 Jahren mit der Muna-Geschichte, darüber informieren, welche Funktion die heute noch stehenden Gebäude vor 71 Jahren hatten.

In Lehre herrschte am 11. April 1945 ein aufgeregtes Treiben, berichteten Zeitzeugen, die Otte befragt hat. An diesem Tag wurde von Otto Lüer um 7 Uhr mit den Kirchenglocken Panzeralarm ausgelöst. Ein Schuhlager in der Schule wurde geplündert. Zu Plünderungen kam es auch in der Muna, dorthin hatten Firmen ihre Waren ausgelagert. Die Nazi-Führer waren nicht mehr zu sehen. Aus vielen Fenstern hingen weiße Bettlaken.

Die amerikanischen Truppen näherten sich von Brunsrode her. Sie gaben einige Warnschüsse ab und marschierten gegen Abend in Lehre ein. Als erste gingen den US-Soldaten einige französische Kriegsgefangene mit der Trikolore entgegen, die sie eigens für diesen Zweck aus Stoffresten gefertigt hatten. Den Ort, in dem die NSDAP bereits 1928 die stärkste Partei gewesen war, übergaben dann gegen 17 Uhr zwei mutige Männer, darunter der schwer kriegsbeschädigte Hermann Bumcke.

Erst am nächsten Tag, am 12. April 1945, erreichten amerikanische Panzer das Muna-Gelände. Sie richteten ihre Kanonen auf die Muna-Einfahrt und besetzten die Rüstungsfabrik kampflos. In einem der Wohnhäuser richteten sie anschließend ihr Hauptquartier ein.

Zu der Führung im letzten Jahr kamen mindestens 250 Teilnehmer. Dabei wurde die Forderung nach einer Informationstafel laut. Der Verein Braunschweigische Landschaft hat inzwischen angekündigt, noch in diesem Jahr eine solche Tafel an der Einfahrt zur Muna aufzustellen.

Eine Spätfolge der NS-Rüstungsproduktion sind die Altlasten auf der „Neuen Wiese“ im Kampstüh, dem ehemaligen Sprengplatz der Muna. Dort befinden sich noch rund 20 Sprengtrichter, die Untersuchungen zufolge mit alter Munition gefüllt sind. Während das Land bzw. der Kampfmittelbeseitigungsdienst die notwendige Räumung bereits mehrere Male ankündigten, scheint sie am Landkreis Helmstedt zu scheitern, der laut Nds. Innenministerium „naturschutzrechtliche Bedenken“ anführt.

Das Gedenken an den 11. April hat in Lehre bereits Tradition. Seit den 1990er Jahren fanden Treffen auf dem Friedhof an der Zwangsarbeiter-Grabstelle statt. Radtouren führten zu den Stätten, die an die NS-Zeit erinnern. 1985 und 1995 fanden besondere Gedenkandachten in der evangelischen Kirche statt. 1995 berichteten Zeitzeugen sehr ausführlich, wie sie die Befreiung Lehres erlebten. Auch daran wird bei dem Rundgang erinnert.

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